Zwischen „Feuernacht“ und Festspielhaus: Die Tiroler Volksschauspiele 2026

Zwischen „Feuernacht“ und Festspielhaus: Die Tiroler Volksschauspiele 2026Beim Pressefrühstück: Künstlerischer Leiter Gregor Bloéb, Dramaturg Florian Hirsch und Regisseur Thomas Gassner mit der Frau im Hintergrund – Geschäftsführerin Julia Neuner.Die Tiroler Volksschauspiele starten in der Marktgemeinde Telfs mit einem klaren künstlerischen und strukturellen Anspruch in die Spielsaison 2026. Neben der großen Hauptproduktion „Feuernacht“, der traditionsreichen Marathonlesung sowie dem feierlichen Eröffnungsakt im Rahmen des Telfer Dorffests rückt dabei auch die Zukunft des Festivals verstärkt in den Mittelpunkt. Unter dem Leitgedanken „Die Volksschauspiele brauchen eine Heimat“ wurde der Wunsch nach einem eigenen Festspielhaus klar formuliert.

Saisonauftakt beim Telfer Dorffest

Die Eröffnung der Tiroler Volksschauspiele bleibt auch 2026 fest im Telfer Dorffest verankert. Der offizielle Festakt findet am 4. Juli im Ortszentrum statt. Als Festredner konnte der Südtiroler Journalist und Dokumentarfilmer Christoph Franceschini gewonnen werden, der sich seit vielen Jahren intensiv mit der Geschichte und den gesellschaftlichen Entwicklungen Südtirols auseinandersetzt.

Historische Konflikte im Mittelpunkt

Im Zentrum der Spielsaison steht die Produktion „Feuernacht“, die die politischen und gesellschaftlichen Spannungen Südtirols zwischen den 1930er- und 1960er-Jahren thematisiert. Im Mittelpunkt stehen Fragen von Identität, Heimat, Unterdrückung und Widerstand. Die Produktion verfügt über einen jahrelangen Vorlauf und zählt zu den bisher größten Projekten der Tiroler Volksschauspiele. Regisseur Thomas Gassner setzt dabei bewusst auf das Zusammenspiel aus monumentalen Bildern und intimen Erzählmomenten. „Wir bieten Spielwiesen – und das machen wir fulminant“, beschreibt Gassner den künstlerischen Zugang der Volksschauspiele.

Herbert Pixner komponiert eigens für „Feuernacht“

Eine zentrale Rolle spielt dabei auch die Musik von Herbert Pixner. Zwischen Regie und Komposition habe sich ein wechselseitiger kreativer Prozess entwickelt. „Herbert Pixner komponiert eigens für die Produktion und ich inszeniere zur Musik – und umgekehrt“, erklärte Gassner. Gemeinsam mit einem großen Ensemble und MusikerInnen entsteht eine Inszenierung, die historische Ereignisse mit persönlichen Schicksalen verbindet. Die enorme Nachfrage – alle Vorstellungen sind seit September ausverkauft – unterstreicht bereits jetzt die Strahlkraft der Produktion.

Marathonlesung verbindet Telfs und Bozen

Ein weiterer Höhepunkt der Spielsaison ist die zur Tradition gewordene Marathonlesung im Telfer RathausSaal. Sie findet am 19. Juli ab 11:00 Uhr statt. Das Format entsteht in Kooperation mit den Vereinigten Bühnen Bozen und wird am 28. November auch dort realisiert. Die Lesung widmet sich dem Werk „Flucht ohne Ende“ von Joseph Roth. Dramaturg Florian Hirsch bezeichnete Roth als „Grenzgänger des Lebens und der Literatur“. Gerade deshalb passe der Stoff besonders gut zur diesjährigen Hauptproduktion. Auch die Figur des Romans stehe sinnbildlich für Orientierungslosigkeit und Aufbruch: Der Protagonist habe keinen genauen Plan, „aber er weiß, dass es lange dauern wird“.

Hochkarätige Besetzung in Telfs

Für die Lesung konnte erneut eine hochkarätige Besetzung gewonnen werden, darunter Tobias Moretti, Gerti Drassl, Anna Unterberger, Max Simonischek, Branko Samarovski und Christoph Luser. Künstlerischer Leiter Gregor Bloéb sieht darin auch ein Zeichen für die besondere Atmosphäre des Festivals: „Wir bringen Granaten nach Telfs – und viele melden sich mittlerweile auch von sich aus, weil sie Teil des Ganzen sein wollen.“

Die Vision eines eigenen Festspielhauses

Parallel zur künstlerischen Entwicklung denken die Verantwortlichen zunehmend über die infrastrukturelle Zukunft der Tiroler Volksschauspiele nach. Im Zentrum steht die Idee eines Festspielhauses in Telfs – möglichst zentral gelegen und langfristig als dauerhafte Heimat des Festivals gedacht. „Jetzt geht es los“, betonte Gregor Bloéb mit Blick auf die nächsten Entwicklungsschritte. Derzeit befinde man sich noch in einer Ideen- und Konzeptphase. Ziel sei es nun, einen geeigneten Standort zu finden und gemeinsam konkrete Perspektiven zu entwickeln. „Ort und eine konkrete Idee kreieren – gemeinsam eine Lösung finden“, beschreibt Bloéb den aktuellen Prozess.

Nachhaltigere Bedingungen für große Produktionen

Ein Festspielhaus könnte künftig nicht nur organisatorische Abläufe erleichtern, sondern auch nachhaltigeres Arbeiten ermöglichen. Derzeit stoßen Produktionen dieser Größenordnung zunehmend an infrastrukturelle Grenzen – insbesondere bei Bühnenbau, Lagerung und Wiederverwertung. Eine dauerhafte Spielstätte würde zudem neue Möglichkeiten für Repertoirebetrieb und langfristige Planung schaffen. Zwischen künstlerischem Anspruch, großen Produktionen und der Vision eines eigenen Festspielhauses entsteht ein Spannungsfeld, das die kommenden Jahre maßgeblich prägen wird.

Termine im Überblick

  • Eröffnungsfestakt, 4. Juli 2026 ab 16:00 Uhr: Festrede Christoph Franceschini 
  • Marathonlesung, 19. Juli 2026 ab 11:00 Uhr im Großen Rathaussaal in Telfs 
  • Premiere „Feuernacht“, 30. Juli 2026 ab 19:30 Uhr in der Südtiroler Siedlung in Telfs
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    Zwischen „Feuernacht“ und Festspielhaus: Die Tiroler Volksschauspiele 2026
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    Den Ball flach halten, ist nicht Gregor Bloébs Ding – er wünscht sich ein Festspielhaus nach.
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    Dramaturg Florian Hirsch
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    Regisseur Thomas Gassner verspricht: „Wir haben einige Überraschungen in petto.“
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