Pestopfer nach 390 Jahren wiederbestattet

Ein schöner, sonniger Herbsttag war der freundliche Rahmen für die berührende Zeremonie: Beim Telfer St. Moritzen-Kirchlein wurden am Freitag die sterblichen Überreste einer jungen Frau wiederbestattet, die vor 390 Jahren an der Pest gestorben ist.

Eine namenlose Tote

Die Gebeine waren 2018 bei einer archäologischen Grabung der Universität Innsbruck geborgen worden. Es folgten verschiedene Untersuchungen. Die Kulturinitiative Hörtenberg (KIH, ehemals Heimatbund) um Obmann Hans Sterzinger, die einen Großteil der Ausgrabung und der Analysen finanziert hat, veranlasste nun nach dem Abschluss des Projekts, dass die sterblichen Überreste dort erneut beigesetzt wurden, wo man sie gefunden hat. Für die namenlose Tote hat die KIH ein kleines steinernes Ossuarium (Knochenbehältnis) mit Inschrift anfertigen lassen. Dekan Peter Scheiring hielt eine Andacht und segnete die Grabstätte. Wie bei Begräbnissen in Telfs üblich, stellte GV Silvia Schaller als letzten Gruß der Gemeinde an die Verstorbene eine Kerze an die Ruhestätte.

Pesterreger nachgewiesen

Mit der Ausgrabung sollte geklärt werden, ob sich beim Moritzenkirchlein tatsächlich – wie überliefert – ein Pestfriedhof aus dem Jahr 1634 befindet. Der Nachweis gelang. Im Labor konnte am Skelett sogar die DNA des Pesterregers festgestellt werden. Auch die anthropologische Untersuchung ergab Interessantes. Die in Moritzen bestattete Telferin war 19 bis 20 Jahre alt. Sie litt an verschiedenen körperlichen Beschwerden, etwa an stark von Karies befallenen Zähnen, und dürfte auch Hungerzeiten erlebt haben. Die Ansatzstellen der Muskeln an den Knochen verraten unter anderem, dass sie schwer Arbeit – wohl Feldarbeit – verrichten und weite Strecken zu Fuß zurücklegen musste. Fazit: Die junge Frau starb nach einem kurzen, harten und entbehrungsreichen Leben.

200 Opfer

Sie war eines von rund 200 Opfern der großen Pestepidemie, die Telfs 1634/35 heimsuchte. Für den Ort, der damals etwa 1000 Einwohner hatte, war die Seuche die größte Katastrophe seiner Geschichte. Da der Pfarrfriedhof die Toten nicht mehr fassen konnte, wurden Notfriedhöfe bei der Georgen- und der Moritzenkirche angelegt.

Erinnerungen

Bis heute haben sich in Telfs Erinnerungen an die Pestzeit, etwa in der Sage vom Mundenschafer, erhalten. Auch das Gelöbnis der jährlichen Prozession für den Pestheiligen Sebastian geht der Überlieferung nach auf die Zeit zurück, als der „Schwarze Tod“ in der Gemeinde wütete. 

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    Dekan Peter Scheiring segnete die Grabstätte und auch die aller anderen in St. Moritzen begrabenen Pestopfer.
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    An der Wiederbestattung im kleinen Kreis nahmen VertreterInnen der Kulturinitiative Hörtenberg und der Marktgemeinde teil.
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    Feierliche Andacht mit Dekan Peter Scheiring. 3. v. l.: KIH-Obmann Hans Sterzinger.
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    Die Gebeine ruhen in einem von der KIH finanzierten Ossuarium (Knochenbehältnis) aus Stein.
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    Der Deckel des kleinen Steinsarges trägt diese Inschrift.
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    GV Silvia Schaller stellten der vor 390 Jahren verstorbenen Telferin eine Kerze ans Grab; rechts neben ihr: die Gemeinderätinnen Larissa Pöschl und Theresa Schromm.
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    Die letzte Ruhestätte wird mit Erde bedeckt.