Alle Fraktionen des Telfer Gemeinderats bekennen sich geschlossen zum Erhalt des Bezirksgerichts Telfs.Mit einem einstimmigen Beschluss hat der Telfer Gemeinderat ein starkes Zeichen für den Erhalt des Bezirksgerichts Telfs gesetzt. Sämtliche Fraktionen sprachen sich in der jüngsten Sitzung dafür aus, eine parteiübergreifende parlamentarische Bürgerinitiative auf den Weg zu bringen und gemeinsam mit Nationalratsabgeordneten aller Parteien für den Fortbestand des Gerichtsstandortes einzutreten. Damit sendet die Marktgemeinde ein klares Signal nach Wien: Beim Erhalt des Bezirksgerichts stehen alle politischen Kräfte geschlossen hinter einem gemeinsamen Ziel.
Auslöser sind die Pläne des Bundesministeriums für Justiz, im Zuge einer Strukturreform kleinere Bezirksgerichte zusammenzulegen beziehungsweise aufzulösen. In Tirol wären neben Telfs auch die Standorte Silz, Landeck und Rattenberg betroffen. Für Telfs wäre es bereits der vierte Versuch einer Schließung nach den Jahren 2005, 2012 und 2019.
„Der einstimmige Beschluss ist ein starkes Bekenntnis unseres Gemeinderates zur Region. Es freut mich besonders, dass wir in dieser Frage völlig unabhängig von Parteigrenzen an einem Strang ziehen. Hier geht es nicht um politische Interessen, sondern um die Lebensqualität und die Versorgung der Menschen in unserem Gerichtsbezirk“, betonte Bgm. Christian Härting (WFT).
Gericht mit zentraler Bedeutung
Dass das Bezirksgericht weit mehr als ein kleiner Gerichtsstandort ist, belegen die Zahlen eindrucksvoll. Das Gericht ist für 13 Gemeinden – Telfs, Pfaffenhofen, Oberhofen, Flaurling, Polling, Hatting, Inzing, Ranggen, Unterperfuss, Oberperfuss, Zirl, Pettnau und Wildermieming – zuständig und damit für mehr als 43.000 EinwohnerInnen.
Zahlen sprechen eine klare Sprache
Auch das Arbeitsaufkommen spricht eine deutliche Sprache: Im Jahr 2025 wurden am Bezirksgericht Telfs 2.759 Grundbuchsanträge, rund 1.700 Zivilverfahren, 3.360 Exekutionsverfahren, 357 Verlassenschaftsverfahren sowie zahlreiche Pflegschafts-, Erwachsenenschutz-, Straf- und Scheidungsverfahren bearbeitet. Hinzu kommen die wöchentlichen Amtstage, bei denen jährlich rund 1.000 BürgerInnen kostenlose Rechtsauskünfte in Anspruch nehmen. Für den Gemeinderat ist damit klar, dass das Bezirksgericht Telfs eine unverzichtbare Drehscheibe der regionalen Rechtspflege ist.
Gute Gründe für den Erhalt
Neben den hohen Fallzahlen sprechen zahlreiche weitere Gründe für den Erhalt des Standortes. Eine Schließung würde für tausende BürgerInnen längere Anfahrtswege und höhere Kosten verursachen, das Verkehrsaufkommen in Richtung Hall erhöhen und damit den Klima- und Verkehrszielen widersprechen. Besonders ältere Menschen und Personen mit eingeschränkter Mobilität wären davon betroffen. Darüber hinaus ist das Bezirksgericht ein bedeutender Wirtschafts- und Standortfaktor: Zahlreiche RechtsanwältInnen und NotarInnen arbeiten eng mit dem Gericht zusammen, zugleich sorgt es als wichtiger Frequenzbringer für zusätzliche Belebung des Ortszentrums und stärkt die öffentliche Infrastruktur der gesamten Region.
Ein weiteres gewichtiges Argument ist die erst kürzlich abgeschlossene Generalsanierung des Gerichtsgebäudes. Erst 2025 wurde der Standort umfassend modernisiert und mit erheblichen öffentlichen Mitteln auf den neuesten Stand gebracht. Eine Schließung unmittelbar nach dieser Investition wäre aus Sicht des Gemeinderates weder nachvollziehbar noch verantwortungsvoll im Umgang mit Steuergeld.
„Das Bezirksgericht Telfs ist seit mehr als 700 Jahren ein fester Bestandteil unserer Region. Es garantiert Bürgernähe, kurze Wege und einen unkomplizierten Zugang zur Justiz. Wer von der Stärkung des ländlichen Raums spricht, darf funktionierende Einrichtungen wie diese nicht gleichzeitig abbauen. Deshalb werden wir gemeinsam mit den Gemeinden unseres Gerichtssprengels, den Standesvertretungen und der Bevölkerung alles unternehmen, um diesen wichtigen Standort zu sichern“, so Bgm. Härting.
Parteienübergreifender Schulterschluss
Mit dem einstimmigen Gemeinderatsbeschluss wird nun eine parlamentarische Bürgerinitiative vorbereitet. Gleichzeitig werden in allen Gemeinden des Gerichtssprengels Unterschriftenlisten aufgelegt. Ziel ist es, möglichst viele UnterstützerInnen zu gewinnen und gemeinsam ein deutliches Zeichen für den Erhalt des Bezirksgerichts Telfs zu setzen.
Die Entscheidung des Gemeinderates macht deutlich: Wenn es um zentrale Einrichtungen der Region geht, rücken parteipolitische Unterschiede in den Hintergrund. Der Schulterschluss aller Fraktionen verdeutlicht, dass alle Telfer Fraktionen die Zukunft des Bezirksgerichts als gemeinsame Verantwortung verstehen – im Interesse der mehr als 43.000 BürgerInnen des Gerichtsbezirkes und der gesamten Region.
Bürgerinitiative unterschreiben
Wer den Erhalt des Bezirksgerichts Telfs unterstützen möchte, kann die Bürgerinitiative im Bürgerservice der Marktgemeinde Telfs (Obermarktstraße 1) unterschreiben. Unterschriften werden außerdem in den Gemeindeämtern von Pfaffenhofen, Oberhofen, Flaurling, Polling, Hatting, Inzing, Ranggen, Unterperfuss, Oberperfuss, Zirl, Pettnau und Wil-dermieming gesammelt.
Wortmeldungen aus den Fraktionen
Der Gemeinderat zeigte sich geschlossen: Alle Fraktionen bekannten sich klar zum Erhalt des Bezirksgerichts Telfs. Einige Mandatare unterstrichen diese Haltung mit Wortmeldungen. GV Christoph Walch (GRÜNE) betonte: „Die Gerichtsbarkeit gehört in die Mitte der Menschen. Nur so kann die liberale Demokratie leben.“ Auch Vize-Bgm. Johannes Augustin (NEOS) sprach sich entschieden gegen eine Schließung aus. Als Rechtsanwalt kenne er das Bezirksgericht Telfs auch aus beruflicher Sicht und wisse um die hohe Kompetenz der MitarbeiterInnen: „Telfs als Gerichtsstandort infrage zu stellen, ist ein Schildbürgerstreich.“ Ebenso stellte sich Gemeinderat und Rechtsanwalt Norbert Tanzer (DEIN T) voll hinter die Bürgerinitiative zum Erhalt des Bezirksgerichts. Angesichts der Größe der Marktgemeinde sei der Standort unverzichtbar: „Telfs ist die drittgrößte Gemeinde Tirols – wir brauchen ein Gericht.“ Darüber hinaus regte Tanzer an, den Gerichtsstandort künftig sogar zu stärken und dessen Zuständigkeitsbereich etwa auf Seefeld und weitere Gemeinden auszuweiten.
Vorangegangene Berichte rund um das Bezirksgericht Telfs
Bezirksgericht muss bleiben!
Jetzt Petition unterschreiben: Bezirksgericht Telfs muss bleiben!
Die Bürgerinitiative zum Erhalt des Bezirksgerichts Telfs liegt im Bürgerservice der Marktgemeinde Telfs (Obermarktstraße 1) sowie in den Gemeinden der Region zur Unterschrift auf.